„In Null-Komma-Nix können wir das sofort angehen“

Auftakt zum Projekt SPRACHLOTSEN FÜR DESSAU-ROSSLAU

Das gesellschaftliche Teilhabe von Zugewanderten im Alltag beginnt ist nicht nur eine lang bekannte Binsenweisheit, sondern die handlungsleitende Prämisse des vom Lokalen Aktionsplan für Demokratie und Toleranz (LAP) geförderten Projektes „SPRACHLOTSEN – WEGWEISER FÜR DIE ZUKUNFT“, dass dieser Tage in der Doppelstadt an Elbe und Mulde startete. Dazu haben sich vier Fachträger aus der Integrations- und Migrationslandschaft getroffen und die Arbeitsgemeinschaft „Sprachlotsen“ gegründet. Das Ziel ist dabei genauso ambitioniert wie wegweisend, sollen doch Ende des Jahres nicht nur für insgesamt 8 Herkunftssprachen ausgebildete und trainierte Sprachmittler zur Verfügung stehen, sondern dieses Angebot zugleich in Form einer internetgestützten Datenbank denen öffentlich zugänglich gemacht werden, die es wirklich dringend brauchen  – Ärzte, Behörden, Sozialarbeiter und Beratungsstellen.


Die Mitglieder der AG "Sprachlotsen" kamen zu ihrer ersten Sitzung zusammen


„Eine Kooperation auf Augenhöhe ist hier spielentscheidend“, sagt Claudia Theune von der St. Johannis GmbH (mehr dazu hier…), die zugleich als Träger für das LAP-Projekt fungiert, zur Eröffnung der 1. Sitzung der AG „Sprachlotsen“. Dass diese Analyse mehr ist als ein Lippenbekenntnis ist, beweist ein Blick in die Runde. Neben dem Jugendmigrationsdienst von St. Johannis, sind so auch Vertreterinnen der Caritas (mehr dazu hier…), der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA; mehr dazu hier…) und der Inlingua Sprachschule (mehr dazu hier…) gekommen. Zudem wurde eine entsprechende Vereinbarung mit der Integrationskoordinatorin der Stadt Dessau-Roßlau (mehr dazu hier…) abgeschlossen.  Diese Auswahl ist dabei alles andere als zufällig, handelte es sich doch bei den anwesenden Institutionen um solche, die seit Jahren im Handlungsfeld der Integrations- und Migrationsberatung etabliert sind und mit dieser Expertise nahe prädestiniert sind, im Projektgeschehen eine proaktive Rolle einzunehmen.


Die Projektleiterin Claudia Theune

Apropos Projektgeschehen, dies kann grob in vier Phasen unterteilt werden. Zuerst geht es darum, für die Herkunftssprachen Französisch, Englisch, Arabisch, Kurdisch, Serbisch, Russisch, Albanisch und Persisch Zugewanderte anzusprechen, die beim Sprachlotsen-Pool mitmachen. Eine Herausforderung, die die AG durchaus nicht kleinredet. „Haben wir die Vielfalt der Herkunftssprachen da?“, fragt so Claudia Theune. Für Karin Hildebrandt (DAA) steht dazu fest: „Hier müssen wir als Träger alle Zugänge für die Teilnehmerakquise bündeln.“ Larrisa Karlikowski von der Caritas reißt ein personelles Ressourcenproblem an, für das eine Lösung gefunden werden müsse: "Die Zugewanderten die gut deutsch sprechen sind meist berufstätig und haben wenig Zeit.“ Optimistisch ist indes die Inlingua-Mitarbeiterin Ilka Ullmann: „Es kamen schon Rückmeldungen von potentiellen Teilnehmern, die Interesse bekundet haben.“ Jetzt komme es vor allem darauf an, schnellstmöglich Migranten strukturiert und verbindlich  anzufragen. „Das muss barrierefrei und leicht verständlich erfolgen“, so Ilka Ullmann weiter.


Die Inlingua-Mitarbeiterin Ilka Ullmann (r.) und Larrisa Karlikowski von der Caritas sind mit im Boot


Die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA) ist durch Karin Hildebrandt (l.) vertreten

Der zweite Schritt im Projekt ist dann ein Eignungstest, in dem neben den sprachlichen Fähigkeiten auch spezifisches Hintergrundwissen zu möglichen Einsatzorten der zukünftigen Lotsen evaluiert werden soll. Laut Ilka Ullmann steht die Inlingua-Sprachschule dafür schon in den Startlöchern: „In Null-Komma-Nix können wir das sofort angehen“.         

Nach der Testierung sind dann in der dritten Phase im Spätherbst 2014 Trainingsseminare geplant, in denen die Lotsen konkrete Mittler-Situationen üben. Also die Begleitung zum Arzt, die Unterstützung bei Behördengängen oder den Besuch einer Elternversammlung in der Schule. Damit dass ganze auch möglichst lebenswirklich erprobt werden kann, sollen zukünftige Nutzer des Sprachlotsen-Pools dazu gleich mit eingeladen werden – also Vertreter_innen aus Verwaltungen, dem Gesundheitssystem und Schulen.



Und nicht zuletzt kommt es darauf an, dass Angebot bei denen bekannt zu machen, die es schließlich brauchen. Denn für die Schublade oder als reines Aushängeschild ist der Pool wahrlich nicht gedacht. Das Zauberwort heißt hier Produktorientierung. Mit Hilfe eines datenbankgestützten Internetauftrittes, der sich in Struktur und Aufmachung  an das erfolgreiche LAP-Online-Tool finden-statt-suchen.org orientieren wird, sollen vor allem zwei zentrale Zielgruppen angesprochen werden.  Neben den bereits angesprochenen Institutionen, sind das insbesondere die Beratungsstellen der Integrations- und Migrationsarbeit selbst, die das Portal zukünftig ganz konkret für die Vermittlung der Lotsen an andere Migrant_innen nutzen können.

Die AG „Sprachlotsen“ trifft sich übrigens im September 2014 das nächste Mal, um das Geschaffte zu konkretisieren und die anstehenden Herausforderungen zu markieren.

Infos / Kontakt:
St. Johannis GmbH
Claudia Theune
Bereichsleiterin, Projektkoordinatorin
Fachbereich Migration
Albrechtsplatz 6
06844 Dessau – Roßlau
Tel. 0340 6612711
Fax 0340 6612729
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
www.sanktjohannis.org

 
Logo Bundesministerium f�r Familie, Senioren, Frauen und Jugend,  Logo TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN Logo Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend Logo TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN