„Ich weiß nun, wie es auf dem Standesamt und beim Notdienst läuft“

Zukünftige Sprachlotsen für Dessau-Roßlau stellen sich der Öffentlichkeit vor

Kaum ein Stuhl am runden Tisch im  BBFZ Mehrgenerationenhaus Dessau (mehr dazu hier…) ist am 24. September 2014 nicht besetzt. An der Wand im „Europa-Raum“ mit der Nummer 226 prangen in großen Lettern Vokabeln wie „hello“, „bonjour“, „welcome“,  „benvenuti“ und „buonas dias“. Passender hätten diese multilingualen Willkommensgrüße wahrlich nicht sein können. Hatten doch die zukünftigen Sprachlotsen für Dessau-Roßlau (mehr dazu hier…) und (hier…), die demnächst  in Französisch, Englisch, Arabisch, Kurdisch, Serbisch, Russisch, Albanisch und Persisch  kreuz und quer in der Stadt unterwegs sein werden, ihren ersten großen Aufschlag.

Sie kommen aus Syrien, Serbien, dem Iran oder der Ukraine, sind zum Teil erst zwei Monate in Dessau-Roßlau oder schon fast 20 Jahre. Ein Zahnarzt ist ebenso dabei, wie eine Kindergärtnerin, ein Journalist, ein Musiker oder eine Englischdolmetscherin. Das Potpourri an Herkunftsländern – und Sprachen ist nicht nur bunt und vielfältig, sondern für das vom Lokalen Aktionsplan für Demokratie und Toleranz geförderte Projekt essentiell. Schließlich geht es darum, Zuwander_innen in der Stadt willkommen zu heißen – und dies nicht nur mit guten Worten oder auf dem Papier. „Wir werden mit Ihnen oft Kontakt haben, weil wir Sie als Sprachmittler brauchen“, bringt Larissa Karlikowski von der Caritas-Migrationsberatung diese Intention auf den Punkt.

Doch für die ausschließlich ehrenamtlich tätigen Lotsen steht noch ein anderer Aspekt im Vordergrund. „Ich mache bei dem Projekt mit, um andere Menschen bei der Eingewöhnung zu helfen“, sagt der syrische Zahnarzt Imad Khalil, der seit eineinhalb Jahren in Dessau lebt. Diese Motivation des Helfens ist für den kurdischen Journalisten Ammad Goli ebenso wichtig, wie für die ausgebildete Kindergärtnerin und Albanisch-Sprachmittlerin Bujupi Bukurije aus dem Kosovo. Einen großen Blumenstrauß verteilt indes der Rom Gani Saliev für die Sprachtests und Kurse, mit denen sich die Lotsen auf die Anforderungen in der Dessauer Sprachschule Inlingua vorbereiteten: „Die haben das hervorragend gemacht, die Erklärungen waren sehr deutlich und klar.“ Der Musiker, der über ein sprichwörtliches Sprachtalent verfügt und zukünftig u. a. ins Serbische und Türkische übersetzen wird, spielt damit vor allem auf die praktische Ausrichtung des Trainingsprogramms an: „ Wir haben ja konkrete Situationen geübt, wie wir Zuwanderer unterstützen können. Ich weiß nun, wie es auf dem Standesamt und beim Notdienst läuft.“ Genau diese Orientierung auf die zukünftige Einsatzorte der Lotsen, nämlich Arztpraxen, Schulen, Ämter und Beratungsstellen, reizt auch Atefeh Taheri aus dem Iran, die seit 2012 als Englischdolmetscherin arbeitet: „In diesem Projekt können wir viele deutsche Fachwörter lernen.“


Am 24. September 2014 stellten sich alle zukünftigen Sprachlotsen und Projektbeteiligten der Öffentlichkeit vor: Imad Khalil (1. v. l.; Syrien; Lotse für Arabisch und Englisch), Amar Goli (2. v. l.; Iran, Lotse für Kurdisch und Persisch), Sholeh Rahmani (3. v. l.; Iran, Lotsin für Kurdisch und Persisch), Atefeh Taheri (4. v. l.; Iran; Lotsin für Persisch und Englisch), Bujupi Bukurije (5. v. l.; Kosovo; Lotsin für Albanisch), Rokstan Malak ( 6. v. l. ; Syrien; Lotsin für Arabisch und Kurdisch)  Amir Goli  (7. v. l. ; Iran, Lotse für Kurdisch und Persisch), Rainer Hampel (8. v. l.; BBFZ Mehrgenerationenhaus Dessau;  Kooperationspartner Sprachlotsen) Larissa Karlikowski (9. v. l. ; Caritas Dessau; Kooperationspartner Sprachlotsen), Gani Saliev (10. v. l.; Rom; Lotse für Roma, Serbisch und Türkisch), Olga Strohscherer (11. v. l.; Lotsin für Russisch), Najmadin Ahmad (12. v. l.; St. Johannis GmbH; Projektmitarbeiter JMD und GBB), Claudia Theune (13. v. l.; St. Johannis GmbH; Projektleiterin Sprachlotsen), Larissa Gelfand (14. v. l.; St. Johannis GmbH; Projektmitarbeiterin JMD)

Es ist wohl genau dieser Mix aus dem eigenen Wissens- und Spracherwerb über die Einwanderungsgesellschaft und der Unterstützung für Migrant_innen und Flüchtlinge, der den Ansatz der Sprachlotsen so attraktiv macht. Eben ein gelebtes Willkommenssignal ohne Einbahnstraße das versucht, ohne starre Schubladen auszukommen.

Infos / Kontakt:

St. Johannis GmbH
Claudia Theune
Bereichsleiterin, Projektkoordinatorin
Fachbereich Migration
Albrechtsplatz 6
06844 Dessau – Roßlau
Tel. 0340 6612711
Fax 0340 6612729
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
www.sanktjohannis.org

 
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